Geschichte
frühe Geschichte ab 1900 ab 1990
Magdeburger Recht Napoleonischer Krieg WW I WW II

Eine Besiedlung des Gebiets des heutigen Weissrusslands lässt sich bereits im Mittelpaläolithikum (100 000 bis 40 000 Jahre v.Chr.) nachweisen, die ersten Siedlungen entstanden hier vor 27 000 bis 24 000 Jahren. Im 7. bis 9. Jahrhunderts waren auf belarussischem Gebiet die slawischen Stämme der Dragowitschi, Kriwitschi und Radimitschi ansässig, die teilweise aus dem Gebiet des Oderbruch (Grenzbereich BRD-Polen) stammen und durch germanische Expansion nach Osten abgedrängt wurden in sich im Bereich des Dneprtales ansiedelten.
Die Herleitung des Namens von Weißrussland ist umstritten. Es ist ungeklärt, ob vor der Warägerherrschaft bereits ein slawisches Staatswesen bestand, die sich nach einem Dnepr-Nebenfluss Rus nannten, oder ob doch die Waräger die ersten Staatsgründer waren, die ihre schwedische Urheimat Roslag in dem Namen Rus verewigten.
Die ersten Staatsgebilde in diesem Raum waren die Fürstentümer Polozk, Turow und Smolensk. Die Stadt Polozk ist seit 862 bekannt. Der erste urkundlich erwähnte Fürst, der Ende des 10. Jahrhunderts in Polozk regierte, war Rogwolod. Seine grösste Machtentfaltung erlangte das Fürstentum Polozk im 11. Jahrhundert unter Wseslaw, dem Zauberer. In gewissen Zeiträumen gerieten die Fürstentümer Polozk und Turow, wie auch andere Gebiete von Belarus, unter die Herrschaft von Kiewer Fürsten, mit der beginnenden feudalen Zersplitterung lösten sie sich in kleinere Teilfürstentümer auf.
Im 13. und 14. Jahrhundert wurde das Siedlungsgebiet der Weißrussen vom Großfürstentum Litauen erobert.

Verwaltungsstruktur, sozialwirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Großfürstentums wurden von der Be­völkerung slawischer Länder bestimmt. Altbelarussisch war von der Mitte des 14. bis Ende des 17. Jahrhunderts Kanzleisprache dieses Staates.

Das Großfürstentum Litauen war eines der größten Staatengebilde in Europa der früheren Neuzeit. Es kam zu bedeutendem Wachstum der bereits existierenden Städte, neu entstanden. Enge Handelsbeziehungen mit deutschen Hansastädten, Skandinavien sowie den östlichen und südlichen Nachbarfürstentümern wurden geknüpft. In mehreren belarussischen Städten wurde ein System der Selbstverwaltung und Gerichtsbarkeit nach dem sogenannten Magdeburger Recht geschaffen. Eine solche Stadtverwaltung erhielten Brest (1390), Grodno (1391), Sluzk (1441), Polozk (1498) und Minsk (1499).

1517 druckte der belarussische Humanist und Aufklärer Franzisk Skorina (gebürtig in Polozk) die Bibel in belarussischer Sprache. Damit besaßen die Belarussen als dritte Nation nach den Deutschen und den Tschechen eine Bibel in ihrer Muttersprache. Im Jahre 1588 wurde das dritte Statut des Großfürstentums Litauen veröffentlicht, dies war ein gesamtstaatliches Gesetzbuch für unterschiedliche Rechtsbereiche. Dieses Statut war in Belarussisch abgefaßt und stellte damals die einzige vollständige Zusammenführung von Gesetzen in Europa nach römischem Recht (bis zum Napoleon-Kodex, der 1804 angenommen wurde) dar.

Die erste belarussische Bibel Minsk im Mittelalter


Durch die Union von Lublin schlossen sich 1569 das Großfürstentum Litauen und Polen zu einem Bundesstaat - Rzecz Pospolita - zusammen. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Weißrussland ein Streitobjekt zwischen Litauen und Moskau. Der Frieden von Andrussowo im Jahre 1667 beließ Weißrussland bei Litauen.

Der Nordische Krieg (1700 - 1721) zwischen Schweden auf der einen sowie Russland und die Rzeczpospolita auf der anderen Seite bedeutete auch für Weißrußland große Einschnitte. Auch auf seinem Gebiet kam es zu Kämpfen. Die Folge war eine ökonomische Kriese, die bis Mitte des 18. Jahrhundert spürbar war.

Erst mit den drei Polnischen Teilungen 1772, 1793 und 1795 wurde das weißrussische Gebiet nach und nach in das Russische Reich eingegliedert.

Die französische Invasion napoleonischer Truppen machte Belarus zum Hauptkriegsschauplatz, der nicht nur ökonomische Folgen hatte, sondern auch zu einem substantiellen Bevölkerungsverlust führte.

(jm)

Zeittafel:

vor 100 - 35 Tsd Jahren erste Menschen im Gebiet des heutigen Belarus
6. - 13. Jhh erste politische Bünde entwickeln sich bei den Ostslawen - Stammesverbände
9. Jahrhundert erste Erwähnung von Polozk und des Fürstentums Polozk, das in der heutigen Oblast Witebsk und dem nördlichen Teil der heutigen Oblast Minsk existierte und in dieser Region bis zum 13. Jhh. herrschte
13. - 16. Jhh. die Zeiten des Großfürstentums Litauen, des stärksten Staates Europas damals, die mit der Regierung des Fürsten Mindoug in der ersten Hauptstadt des Fürstentums Nowogrodok begannen
1569 das Großfürstentum Litauen und das Königreich Polen unterzeichnen die "Lubliner Union" und schließen sich zu einem Bund zusammen - dem Staat Polen-Litauen
1654 - 1667 Krieg mit Rußland
1700 - 1721 der Große Nordische Krieg (zwischen Schweden und Rußland)
1772 - 1917 Belarus ist Bestandteil des Russischen Kaiserreichs
1794 Aufstand unter Tadeusz Koscizusko
1812 Einmarsch napoleonischer Truppen
1830 - 1831 polnischer Aufstand ( "Novemberaufstand")
1863 - 1864 nationaler Befreiungsaufstand unter Führung von Kastus Kalinouski